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Antifa nicht gleich Antifa

Mit der Überschrift „Antifa nicht gleich Antifa“ möchten wir zeigen wie schwer es ist über die Antifa zu schreiben. Sicher fragen sich viele, wieso die Antifa auf einem Blog zum Thema Extremismus erscheint, da ja der Begriff Antifa das Synonym für Antifaschismus ist. Antifaschismus heißt übersetzt „gegen Faschismus“ und ist auf den ersten Blick etwas Positives.

Daher heißt unser Artikel Antifa nicht gleich Antifa!

Anmerkung zu Begriff und Geschichte von Uwe Bakes:

„Antifaschismus“ zählt zu den in der politischen Sprache häufig gebrauchten Begriffen, die – wie „Antiparlamentarismus“, „Antiliberalismus“, „Antikommunismus“ – ihren Sinn aus einer Reaktion und Abwehrhaltung gewinnen. In der Regel stimmen deren Benutzer weder in der Vorstellung vom Abzulehnenden überein, noch gibt es ein klar umrissenes Konzept, auf dessen Grundlage die Ablehnung erfolgt.

Entwicklung des Antifaschismus:

Der Antifaschismus ist eine Haltung und Bewegung gegen den Faschismus, vor allem in Italien und Deutschland. Der Begriff „Faschismus“ (von lat. fascis = Bündel / Plural fasces = Bündel von Stäben – Zeichen für hohe Richter im alten Rom) steht ursprünglich für die nach dem ersten Weltkrieg aufkommende politische Bewegung unter Benito Mussolini in Italien, die eine nationalistische, autoritäre und imperialistische Politik war.

Schon in den 1920iger Jahren gab es Bewegungen gegen den Faschismus. Einen Höhepunkt erreichte der – wirkli­che – Antifaschismus während des 2. Welt­krieges als Widerstandsbewegung in den von den Deutschen und ihren Verbünde­ten besetzten Ländern. Die gemeinsame Gegnerschaft gegen den Nationalsozia­lismus einte sehr verschiedenartige politi­sche und weltanschauliche Richtungen, die auch nach dem Krieg, z. B. in antifaschisti­schen Blocks (Antifa), noch eine Zeit lang zusammenarbeiteten. Kommunisten nutzten den Antifaschismus häufig als taktisches Instrument (Deckman­tel) ihrer eigenen Interessen und anerken­nen nur den von ihnen beeinflussten oder geführten Antifaschismus (Volksfront). In der DDR war der Antifaschismus offiziell Staatsdoktrin, um einen Gegensatz zur angeblich faschistischen oder doch im nationalsozialistischen Erbe stehenden Bundesrepublik zu betonen. So wurde die 1961 errichtete Mauer offiziell als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnet.

Nach der friedlichen Revolution 1989/90 diente und dient der Antifaschismus gele­gentlich einigen sich selbst als links ver­stehenden Gruppen als Rechtfertigung ih­res Daseins, da andere Gründe, wie etwa die Regimekritik an der (alten) Bundesre­publik oder Bekenntnisse zu „Sozialismus“ oder „Kommunismus“, nach außen hin hin­fällig geworden waren. Dies ist aber eben­so ein Missbrauch des Antifaschismus-Begriffs wie der „Staats-Antifaschismus“ der DDR.

Quellen:
http://www.kas.de/wf/doc/kas_15070-544-1-30.pdf?100617131834
ANTIFA Geschichte und Organisation, Schmetterling Verlag GmbH, 1 Aufl. 2011
Rechtsextremismus und Antifaschismus herausgegeben von Klaus Kinner und Rolf Richter

Heutige Antifa-Gruppen setzen sich angeblich vor allem aus linken, linksradikalen und autonomen Gruppen zusammen, daher wird die Antifa wohl als verfassungsfeindlich eingestuft und ist bei den als extrem bezeichneten Gruppierungen zu finden. Da die Antifa sich zum Ziel gesetzt haben neben dem Faschismus auch gegen den Nationalsozialismus und Rassismus vorzugehen, heißt unser Artikel Antifa nicht gleich Antifa. Es steht wohl außer Frage, dass die Antifa keine homogene Gruppe ist. Der Antifaschismus besteht seit fast 100 Jahren, so alt wird kaum ein Mitglied sein, d.h. der Personenkreis und die Ziele können im Wandel stehen.

Hier ein Auszug vom Buchcover: ANTIFA Geschichte und Organisation von Keller/Kögler/Krawinkel/Schlemermeyer

Antifaschismus ist eines der zentralen Aktionsfelder der radikalen Linken in Deutschland: In fast jeder Stadt existieren Antifa-Gruppen, viele Jugendliche kommen durch sie zu linksradikaler Politik und immer wieder machen militante Aktionen gegen Nazis und ihre Aufmärsche von sich reden.

 
Aktivitäten der heutigen Antifa:

Aktionen der Antifa beziehen sich auf Recherchen, Aufklärung, Dokumentation und Verbreitung von Informationen über rechtsextreme Gruppen oder Organisationen. Insbesondere wird zu Blockaden und Gegendemonstrationen gegen rechtsradikale Gruppierungen sowie Aufmärsche aufgerufen. Gelegentlich kommt es dabei zu Straßenschlachten zwischen Mitgliedern der autonomen Antifa und der Polizei oder Anhänger der rechten Szene. Würde es hier nicht zu Ausschreitungen kommen, würde die Antifa wohl kaum von jemand als extremistisch eingestuft werden? 

Die Antifa setzt sich außerdem aktiv für eine Ausweitung der Rechte von Asylbewerbern ein. Dabei arbeitet die Antifa oft mit Gruppen aus anderen politischen Gruppierungen wie zum Beispiel der linken, der Gewerkschafts- oder der grünen Jugend zusammen.

In den nächsten Artikel wollen wir auf Fragen eingehen, die uns bei der Bearbeitung gekommen sind, wie z.B.:

  1. Antifa in den 1960iger Jahren
  2. Antifa in der DDR
  3. Hausbesetzungen