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25 Jahre Mauerfall – Ein Rückblick auf die Außenseiter der DDR – STASI und Haft

Göttingen 2014 – »Anders sein. Außenseiter in der DDR« ist eine Themenreihe, die sich eine kleine Gruppe des Beruflichen Gymnasiums, kurz BGT, zur Aufgabe gemacht hat. Wir wollen hier kleine Artikel zu folgenden Themen veröffentlichen:

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Unser heutiger Artikel berichtet über:

Das traurige Leben der Melanie Kollatzsch

Melanie Kollatzsch besuchte zuletzt als Zeitzeugin 2011 die BBS II Göttingen. Die Schule zeichnete den Besuch auf. So dass für diesen Artikel das Rohmaterial vom Gespräch mit Melanie Kollatzsch zur Verfügung stand. Mit diesem Artikel wollen wir Melanies traurige Geschichte erzählen und zeigen, dass es den politisch Gefangenen der ersten Stunde nicht so gut ging, wie denen, die danach folgten.

Melanie erzählt sehr eindrucksvoll, wie man nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besatzungszonen lebte, welche Ungerechtigkeiten dort herrschten und für welche „Delikte“ man inhaftiert wurde – wer steht für solche Fragen heute noch zur Verfügung?

Gesicht zur Wand

Bei ihrem letzten Besuch sahen Schülerinnen und Schüler den Dokumentarfilm „Gesicht zur Wand“, der Melanie zeigt, wie sie Strafanstalten und Gefängnisse in der ehemaligen SBZ besucht und dabei erzählte, was ihr dort von 1947 bis 1962 widerfahren ist. Welche Ungerechtigkeiten sie als “Deutsche“ aus dem Rheinland ausgesetzt war und wegen welcher  Banalität sie inhaftiert und zuerst zum Tode verurteilt und später zu 25 Jahren Zwangsarbeit begnadigt wurde. Auch als 1949 aus der SBZ die DDR wurde, glaubte ihr niemand, dass sie ursprünglich als gerade Mal 19-Jährige nur zu Besuch in die SBZ gekommen war um ihren Eltern von ihrer Verlobung mit einem englischen Major zu erzählen. Selbst nach ihrer Haftentlassung 1962 gilt sie weiterhin als Klassenfeindin, als Verräterin.

Im Film sowie im anschließenden Gespräch stellt Melanie Kollatzsch eindrucksvoll die Nachkriegszeit, die Entstehung der SBZ bis zur DDR, das DDR-Regime im getrennten Deutschland sowie die Wiedervereinigung dar. Sie erzählt von den Schattenseiten und Ungerechtigkeiten der Nachkriegszeit, vom Polizeistaat DDR, in dem jeder jeden bespitzelte, so dass sich selbst gute Freunde misstrauten.

Verlorene Jugend

Nach eineinhalb Stunden sichten des Rohmaterials war mir klar, wie brutal Melanie Kollatzsch ihrer Jugend und sogar ihrer Liebe beraubt wurde. Als junge Frau kam Melanie 1947 in die SBZ zu Besuch zu ihren Eltern und wollte ihnen von ihrer Verlobung und anstehenden Hochzeit erzählen. Doch es kam alles anders. Wenige Tage in der SBZ wird Melanie wegen Spionage, Boykott-hetze und illegalem Grenzübergang von den russischen Besatzern verhaftet. Da sie als Dolmetscherin für Englisch arbeitete und auch so ihren Verlobten kennenlernte, der ein englischer Major war, wurde sie der Spionage bezichtigt. Die Russen interessierten sich nicht für ihre Belange und glaubten der jungen Frau im seidenen Sommerkleid nicht.

Kurz darauf wurde Melanie zunächst zum Tode und später von den abziehenden Russen begnadigt und zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sie saß drei Monate alleine in einer kleinen Zelle ohne Pritsche nur mit einer Decke und einem Eimer für die Notdurft. In den drei Monaten erhielt sie keine Möglichkeit sich zu waschen oder gar die Kleidung zu wechseln. Sie trug nach wie vor ihr seidenes Sommerkleid. Der Schock ihrer Inhaftierung und die Angst lies die Monatsblutung einstellen. Nach den drei Monaten übernahm eine erste deutsche Übergangsregierung die Macht in der entstehenden DDR. Melanie hatte Hoffnung, dass nun alles gut und der Fehler ihrer Inhaftierung erkannt würde. Doch nichts geschah. Im Gegenteil, die Interimsregierung war noch schlimmer als die Russen.

Bald kam Melanie in ein anderes Gefängnis, indem sie erstmals andere Kleidung bekam und sich waschen konnte. In insgesamt elf Gefängnissen in 15 ½ Jahren wechselte sie. Jedes war anders. In einigen war sie in Einzelhaft in anderen in kleinen Gruppen, was Melanie als angenehm empfand, da sie sich endlich mal austauschen konnte. Während ihrer Einzelhaft beschäftigte sie sich mit Rechenaufgaben, die sie sich selbst ausdachte, sang vor sich hin um ihr Gehör zu trainieren. In all den Jahren war es Melanie nicht möglich in einen Spiegel zu sehen, da in den meisten Gefängnissen kein Spiegel vorhanden war. So könnte sie die körperlichen Veränderungen nicht nachvollziehen und erschrak als sie sich zum ersten Mal nach gut zehn Jahren im Spiegel sah. Aus dem damals jungen 19-jährigen Mädchen war nun eine Frau von gut 30 Jahren geworden.

An dieser Stelle fragt man sich wirklich:

Wie können Menschen, Menschen so etwas antun? (Bärbel Große)

Auch erlebte Melanie den 17. Juni 1953 in Haft. Ihre Zelle wurde für gut einen Tag aufgeschlossen, doch die Angst ließ sie die Zelle nicht verlassen. Am nächsten Tag wurde sie wieder versperrt und es war alles wie gehabt. Außer dass das Gefängnis auf einmal überfüllt war mit neuen politischen Gefangenen, die am 17. Juni auf die Straßen gegangen waren.

Tragisch für Melanie war ihre vorzeitige Entlassung im Jahre 1962 genau nach dem Mauerbau. Melanie beschreibt die Entlassung aus dem Gefängnis als eine Entlassung in ein viel größeres Gefängnis, so empfand sie die DDR. In all den Jahren nach ihrer Entlassung war die STASI immer an ihren Fersen. Sie führte in all den Jahren kein normales Leben. Auch ging sie nie eine Beziehung ein.

Melanie beschreibt den Mauerfall 1989 als Erlösung und wirkliche Freiheit. Endlich kam sie wirklich frei und konnte ihr Leben in echter Freiheit leben. Sie ist daher ein wahrer Freund der Demokratie und freiheitlichen Selbstverantwortung. „Unsere Freiheit ist ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt.“

2011 Melanie Kollatzsch

2011 Melanie Kollatzsch in der BBS II Göttingen – Mensa

Zwei Zitate möchte ich an dieser Stelle auch noch anbringen:

„Ich hasse heute nicht so sehr, wie ich gewisse Personen verachte. Aber ihnen nun das gleiche anzutun, ist auch nicht mein Charakter.“

„Ich besuche Schulen und stehe für Demokratie und Freiheit, weil ich nicht will das Diktaturen entstehen egal welcher Color, ob rot, braun, schwarz oder sonst wie. Sie führen immer zu Hass- und Unrechtsurteilen. Wer in einer Demokratie schläft, wird in einer Diktatur aufwachen! Seid wachsam und tretet für mehr Demokratie und Freiheit ein.“

Ich war fasziniert und erschüttert zugleich vom Rohmaterial und vom Leben der sympathischen alten Dame. Wir dürfen auch diese Seite der DDR nicht vergessen. Es war nicht alles gut.

Torben

25 Jahre Mauerfall – Ein Rückblick auf die Außenseiter der DDR – Homosexualität

Göttingen 2015 – »Anders sein. Außenseiter in der DDR« ist eine Themenreihe, die sich eine kleine Gruppe des Beruflichen Gymnasiums, kurz BGT zur Aufgabe gemacht hat. Wir wollen hier kleine Artikel zu folgenden Themen veröffentlichen:

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Unser heutiger Artikel berichtet über:

Homosexualität in der DDR

Am 17. Oktober 2014 wurde es unserer Klasse möglich anhand eines Zeitzeugengesprächs mit Holger Girr, näheres über Homosexualität in der DDR zu erfahren.

Dass Homosexualität in der damaligen DDR bis 1968 verboten war, ist den meisten Leuten bekannt. Trotzdem gibt es noch immer viele Fragen zu diesem Thema – Die möchten wir durch Antworten aus einem Interview mit einem Zeitzeugen, der den Künstlernamen Holly Hocker trägt, beantworten. Dabei werden die Ausmaße der Intoleranz gegenüber Homosexuellen in der DDR deutlich.

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QR- Code für ein Gedicht von holly hocker aus seinem Gedichtband

Zuerst einmal fragen wir uns: Inwiefern wurden Homosexuelle in der Gesellschaft akzeptiert? Bis 1968 gab es in dem Gesetz der DDR den Paragraphen 175, nach dem tausende homosexuelle Männer verurteilt und ins Gefängnis oder ins Zuchthaus gesperrt wurden. Obwohl 1968 der Schwulenparagraph 175 gestrichen wurde, bekamen Homosexuelle offiziell weder Akzeptanz noch Gleichberechtigung in der DDR-Gesellschaft. Dies sah in einigen größeren Städten der DDR, wie z.B. in Berlin anders aus. Hier gab es sogar ab den 68iger Jahren Schwulenbewegungen, doch in den dörflicheren Regionen der DDR waren Schwule nach wie vor nicht gern gesehen.

Des Weiteren möchten wir auf das Leben und die Erfahrungen unsere Zeitzeugen eingehen.

Unser Zeuge Holly Hocker wurde in Schwerin geboren und ist in der Deutschen demokratischen Republik, zusammen mit drei weiteren Geschwistern, aufgewachsen. Er hatte durch eine seltene Hormonkrankheit und den Mord an seinem Vater bereits in frühen Jahren kein leichtes Leben.

Holly Hocker besuchte zehn Jahre lang die Schule und machte eine Lehre, wie die meisten Kinder damals. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Finanzkaufmann und wurde mit 16 Jahren jüngster Versicherungsinspektor in der DDR.

Der Zeuge berichtet, dass ihm solange er in der DDR gelebt hatte nicht bewusst gewesen war, ob er schwul sei oder nicht. Kontakt zu anderen Männern hatte er jedoch bereits mit 14 oder 15 Jahren. Nach der zehnten Klasse, also ca. mit 16 Jahren, hatte Holly Hocker eine Freundin, die er schwängerte. In der DDR war es üblich abzutreiben und so verlor er das Kind. Insgesamt zeugte er drei Kinder – das zweite während der Lehrzeit, welches ebenfalls abgetrieben wurde und das dritte mit seiner späteren Freundin, die das Kind jedoch verlor. Er war sogar damals verlobt und wollte heiraten.

Mit ungefähr 25 Jahren fiel Holly auf, dass etwas an ihm anders war. Er fing an sich für Männer zu interessieren.

Doch wie konnte er dieser Vorliebe damals nachgehen?

Er berichtet, dass er in der DDR heimlich andere Männer traf und auf private Veranstaltungen für Homosexuelle ging. In der Öffentlichkeit durfte er seine Vorlieben und Gefühle nicht zeigen. Dadurch wäre ein normales Leben, welches er führte, nicht mehr möglich und seine Karriere ebenfalls beendet gewesen. Schwule wurden beschimpft und waren ungern gesehen. Sie wurden ausgeschlossen und viele Leute mieden den Umgang mit ihnen, daher wurde es lieber geheim gehalten.

Holly Hocker outete sich später, als er verhaftet wurde. Holly wurde durch ein Schlüsselerlebnis zum Regimekritiker. Dies führte zu seiner Inhaftierung. Er setzte noch einen drauf, indem er sich outete. Er bekam mehr als 12 Monate Haft von denen er nur neun Monate inhaftiert war. Er wurde von der BRD freigekauft. So kam er in den Westen und machte hier seinen ersten AIDS-Test.

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QR- Code für ein Gedicht von holly hocker aus seinem Gedichtband – „wird negativ so positiv“ und „HIV-Test“

In Hamburg fand er seine große Liebe „O.“, mit dem er zwei Jahre lang eine Beziehung führte. Diese Liebe trieb ihn zum Gedichte schreiben, sodass er sogar ein Buch veröffentlichte. Heute ist „O.“ verheiratet und hat eine Tochter.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Homosexualität in der DDR weder toleriert, noch akzeptiert wurde. Schwule wurden als abstoßend empfunden und sogar in einer Rosa Liste geführt ähnlich wie dem rosa Dreieck aus dem Dritten Reich, welches Außenseiter kennzeichnete wie die Juden mit dem Davidstern. Im Laufe der Geschichte hat sich an der Toleranz in der Gesellschaft jedoch viel geändert. Angefangen von der Abschaffung des Paragraphen 175, zuerst in der DDR und später 1994 in der BRD, bis hin zur Erlaubnis der Ehe zwischen zwei Homosexuellen im Jahre 2001. Die Gesellschaft reagiert Schwulen gegenüber mittlerweile anders. Sie werden zunehmend akzeptiert und toleriert – Homosexualität tendiert zum „Normalen“ zu werden und das ist auch gut so!

Lena

25 Jahre Mauerfall – Ein Rückblick auf die Außenseiter der DDR – Punk in der DDR

Göttingen 2015 – »Anders sein. Außenseiter in der DDR« ist eine Themenreihe, die sich eine kleine Gruppe des Beruflichen Gymnasiums, kurz BGT zur Aufgabe gemacht hat. Wir wollen hier kleine Artikel zu folgenden Themen veröffentlichen:

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Unser heutiger Artikel berichtet über:

Punk in der DDR

Punk hat sich 1976 in England entwickelt. Mit einer kleinen Verzögerung von zwei Jahren fand er seinen Weg allerdings relativ schnell nach Deutschland.

So kam es, dass es schon 1978 die ersten Punks in der DDR gab. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch nur ein paar kleinere Cliquen in Berlin. Dresden, Halle und Leipzig wurden später weitere Zentren der Punkszene. Gegen Ende der DDR wechselte das Epizentrum der Punkszene von Berlin nach Potsdam.

Foto : toomuchfuture; Punker

Foto : toomuchfuture; Punker

Während der Punk im Westen eine popkuluturelle Bewegung mit politischem Hintergrund war, war sie in der DDR eine politische Bewegung mit popkuluterellem Hintergrund. Der Punk war die Reaktion auf eine durchgeplante Gesellschaft, in der es selbst an elementarsten Grundfreiheiten fehlte. Der Punk war ein Weg, sich als Individuum in einer vereinheitlichten Gesellschaft wahrzunehmen. Ein Akt des Widerstandes gegen eine zwangskollektivierte Gesellschaft.

Punks waren schon immer eine Minderheit. Besonders in der DDR war dies problematisch, da es dort besonders wenige von ihnen gab und sie besonders stark angefeindet wurden. Auseinandersetzungen mit anderen Bewegungen, wie zum Beispiel Skinheads, waren nichts Ungewöhnliches. Diese Konflikte konnten aber auch ohne weiteres mit normalen Bürgern entstehen. Durch diese „Wir gegen den Rest der Welt“ – Mentalität entstand ein besonders starker Zusammenhalt. Einer für alle, alle für einen war das vorherrschende Motto. Dieser Zusammenhalt beschützte die Mitglieder der Szene vor Übergriffen, ließ sie aber auch selbst zu Tätern werden.

Foto : toomuchfuture

Foto : toomuchfuture

Während die Zahl der Punks in der DDR bis 1980 sehr gering blieb, stieg die Zahl zwischen 1980 und 1983 stark an. 1983 gab es ca. 900 Punks in der DDR. 400 davon alleine in Berlin. Mit diesem Wachstum begann auch die erste große Verfolgungswelle, welche von der K1 durchgeführt wurde. Die K1 war eine Politische Abteilung die direkt dem „Ministerium für Staatsicherheit“ (MfS) unterstellt war.

Auch wurde die Szene durch den großen Zuwachs elitärer. Das Szenebewusstsein wurde immer wichtiger und unter den Reihen der Neuzugänge wurde kräftig aussortiert. Wer nicht glaubwürdig vermitteln konnte, dass er den Punk auch wirklich lebt, nicht radikal genug war oder seine Klamotten einfach nicht ins Bild der älteren passten wurde seiner Punker-Kleidung beraubt und nach Hause geschickt. Auch verließ 1983 ein großer Teil die Szene und orientierte sich in eine rechtsextreme Richtung, da diese ebenfalls von einem anarchischen Weltbild geprägt war und weniger von der MfS verfolgt wurde.

Wurden zu Beginn der Bewegung noch alle Punks gleichmäßig von der Polizei mit Maßnahmen, wie Personenkontrollen oder Hausdurchsuchungen, drangsaliert, so konzentrierten sich die Maßnahmen mit Beginn der ersten Verfolgungswelle 1983 auf die Urpunks. Jüngere Punks, also die neue Generation, wurde größtenteils in Frieden gelassen, auch wenn sie stets damit rechnen mussten, auf der Straße angehalten zu werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Urpunks durch ihre politische Motivation, gegen den vorgeschriebenen Lebensablauf durch den Staat zu Punks geworden sind und sich damit öffentlich gegen das System stellten. Die neue Generation hat Punk wie im Westen als eine Popkultur behandelt. Besonders junge Punker konnten gut als „Inoffizielle Mitarbeiter“ (IM) angeheuert werden, um die Szene zu untergraben. Sie wurden mit Zigaretten, Geld oder Schallplatten bezahlt. Auch setzte das MfS Falschinformationen über nichtexistente IM in die Welt um die Szene von innen zu zersetzen. Besonders in der Musikbranche war es einfach, IM aus den Reihen der Punks anzuheuern. Auf diesem Weg wurde so gut wie jede Punkband der DDR von IM unterwandert. Der bekannteste IM in der Punkerszene war wahrscheinlich Sascha Anderson, der ehemalige Sänger der Band Zwitschermaschine. 1983 veröffentlichte er mit seiner Band und Schleim-Keim, einer anderen Punkband, das Album „DDR von unten“, welches als erstes Punkalbum der DDR gilt. Aufgrund verfassungswidriger Texte wurde Schleim-Keim zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, auch um ein Exempel zu statuieren. Zwitschermaschine blieb auf Grund von Andersons Aktivitäten als IM verschont. 

Foto : toomuchfuture

Foto : toomuchfuture

Um beliebig Punker festnehmen und über mehrere Tage ohne Anklage festhalten zu können, wurde der § 220 des Strafgesetzbuches („Öffentliche Herabwürdigung der staatlichen Ordnung“) 1979 eingeführt. Als Herabwürdigung der staatlichen Ordnung galt schon die Kleidung der Punker. Wurden Punker ohne Anzeige festgehalten, galten sie als Nichtinhaftiert wurden verhört, eingeschüchtert und es wurde meistens versucht sie als IM anzuwerben. Die Höchststrafe im Falle einer Anklage konnte mit bis zu zwei Jahren Haft ausfallen. Damit riskierte jeder Punk seine Freiheit, wenn er nur auf die Straße ging. Trotzdem stieg die Zahl der Punks in der DDR nach 1983 weiter an. Mit Maßnahmen wie Arbeitsentzug, Verhaftungen oder Gaststättenverbot wurde die Urpunkszene von 1983 auf 1984 gezielt zerschlagen.

Aus der kleinen zusammenhaltenden Szene wurde eine lose agierende Bewegung. Auch wurde die Szene wieder weniger elitär. Sie öffnete sich und wurde zu einer Spaß- und Freiheitsbewegung.

Es konnte mitmachen wer wollte. Ab 1986 wurde die Musik sogar vom Staat toleriert und auch die FDJ begann, Punkkonzerte zu veranstalten. Während der junge Punk immer mehr toleriert wurde, litten die Urpunks immer noch unter einer starken Verfolgung. Sie lehnten diese neue Bewegung daher ab und nannten sie geringschätzig „FDJ-Punks“.

Nach dem Mauerfall löste sich dir Punkbewegung im Osten fast komplett auf. Sie war gegen Ende der DDR schon auf ca. 600 Punks geschrumpft, während die Skinheadszene noch vor der Wende auf über 1000 Mitglieder anstieg. Viele Punks schlossen sich diese aufstrebenden Jugendbewegung an und tauschten, wie schon 1983, ihre linken Ideale gegen rechte. Es gingen auch viele in den Westen, wo die Szene sich mehr entfaltet hatte. Aber viele der Urpunks kamen dort nicht zurecht. Sie fühlten sich wie pensionierte Krieger. Auch so gut wie alle Punkbands lösten sich auf, da der Bedarf an ihnen aufgrund der großen Westkonkurrenz einfach nicht mehr vorhanden war.

Torben

Quellen

http://www.toomuchfuture.de/

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/156076/index.html

http://www.jugendopposition.de/index.php?id=1952

http://de.wikipedia.org/wiki/Punk_in_der_DDR

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Bilder sind von toomuchfuture.de übernommen worden. Es liegt der Schule eine Genehmigung für diesen Artikel vor.

Jugendopposition in der DDR

 

„Warum das Eintreten für mehr Demokratie ins Zuchthaus führte“

Die Berufsbildenden Schulen II Göttingen laden zur Auseinandersetzung mit unserer Zeitgeschichte mit der Plakatausstellung „Jugendopposition in der DDR“ in die Mediothek der Schule (Godehardstr. 11, 37081 Göttingen) ein. Plakate zur Geschichte der Jugendopposition in der DDR werden bis Ende November in der Mediothek der Schule ausgestellt. Sie sind dort auch für die Öffentlichkeit während der Schulzeit von Montag bis Freitag in der Zeit 08:00 – 14:00 Uhr zugänglich.

Auf 20 Plakaten, angesiedelt im Zeitraum von den Nachkriegsjahren bis zur Freiheitsrevolution 1989, werden Biografien von Widerständlern erzählt. Die Autoren Stefanie Wahl und Tom Sello stellen diese so prägnant dar, dass Schüler und Besucher sich mit ihnen identifizieren können. Jugendlichen fällt es heute häufig schwer sich vorzustellen, wofür Menschen in der DDR auf die Straße gingen bzw. das Glück, in Freiheit zu leben, wertzuschätzen. Welche Dramatik in den Fällen steckt, bleibt 24 Jahre nach dem Mauerfall ergreifend. Ein Ziel der Ausstellung ist, durch die Dokumentation der Schicksale Schülerinnen und Schüler aufzurütteln, sich mehr für Demokratie und Freiheit einzusetzen. „Die Opposition gegen Diktatur haben viele mit dem Leben oder mit langen Jahren Haft bezahlt“, betonte Dr. Hans-Jürgen Grasemann bei seinem letzten Besuch in den BBS II Göttingen. Aber heute werde wenig Interesse oder Anerkennung dafür gezeigt, da die Demokratie und unser Leben Gewohnheit geworden ist. Herr Dr. Grasemann, Oberstaatsanwalt a.D. und stellvertretender Leiter der Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter, steht am 07.11. sowie Michael Schlosser, der ein selbstgebautes Flugobjekt zur Flucht nutzen wollte und verraten wurde, am 19.11.2013 für Zeitzeugengespräche zur Verfügung. Am 07.11. ergänzt der Film „Tod dem Verräter“ von Heribert Schwan ab 09:45 Uhr das Programm.

Der Eintritt ist frei!

Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte – Anmeldung erwünscht unter: 0551 – 4961-6

Gesamtprogramm der Ausstellung

Ausstellungsdauer vom 04.11. – 30.11.2013 in der Mediothek
Jugendopposition in der DDR

07.11.2013

09:45 bis 10:45 Uhr: Film „Tod dem Verräter“, Heribert Schwan, Dokumentation des Falls des Fußballers Lutz Eigendorf durch Herrn Dr. Grasemann, anschließend Zeitzeugengespräch
11:30 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Herrn Dr. Grasemann – Herr Grasemann berichtet und erzählt über einzelne Persönlichkeiten der Plakatausstellung und was sie auszeichnen. Außerdem steht er für Fragen zum Thema: Stasi, Flucht, Rechtsstaat und Unrechtsstaat zur Verfügung!
Lutz Eigendorf im DDR Trikot vor seiner Flucht in den Westen. - Sein Alfa Romeo nach dem mysteriösen Unfall 1983 und Dr. H.-J. Grasemann der über diesen Fall berichtet
Lutz Eigendorf im DDR Trikot vor seiner Flucht in den Westen. – Sein Alfa Romeo nach dem mysteriösen Unfall 1983 und Dr. H.-J. Grasemann der über diesen Fall berichtet

19.11.2013

Erster Block: 09:45 Uhr: Film „Operative Personenkontrolle – Ikarus – mit dem Flieger in den Westen“, MDR-Reportage

10:15 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Michael Schlosser, Konstrukteur des Leichtflugzeuges, verhaftet wegen versuchter Republikflucht, von der BRD frei gekauft
Zweiter Block (Wiederholung des Ersten Blocks)
11:30 Uhr: Film „Operative Personenkontrolle – Ikarus – mit dem Flieger in den Westen“, MDR-Reportage
12:00 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Michael Schlosser, Konstrukteur des Leichtflugzeuges, verhaftet wegen versuchter Republikflucht, von der BRD frei gekauft
Michael Schlossererzählt seine Geschichte bei einer Fortbildung in der Politische Bildungsstätte Helmstedt e.V., Michael Schlosser steht vor seinem Nachbau mit dem er 1983 fliehen wollte
Michael Schlossererzählt seine Geschichte bei einer Fortbildung in der Politische Bildungsstätte Helmstedt e.V., Michael Schlosser steht vor seinem Nachbau mit dem er 1983 fliehen wollte