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25 Jahre Mauerfall – Ein Rückblick auf die Außenseiter der DDR – Homosexualität

Göttingen 2015 – »Anders sein. Außenseiter in der DDR« ist eine Themenreihe, die sich eine kleine Gruppe des Beruflichen Gymnasiums, kurz BGT zur Aufgabe gemacht hat. Wir wollen hier kleine Artikel zu folgenden Themen veröffentlichen:

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Unser heutiger Artikel berichtet über:

Homosexualität in der DDR

Am 17. Oktober 2014 wurde es unserer Klasse möglich anhand eines Zeitzeugengesprächs mit Holger Girr, näheres über Homosexualität in der DDR zu erfahren.

Dass Homosexualität in der damaligen DDR bis 1968 verboten war, ist den meisten Leuten bekannt. Trotzdem gibt es noch immer viele Fragen zu diesem Thema – Die möchten wir durch Antworten aus einem Interview mit einem Zeitzeugen, der den Künstlernamen Holly Hocker trägt, beantworten. Dabei werden die Ausmaße der Intoleranz gegenüber Homosexuellen in der DDR deutlich.

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QR- Code für ein Gedicht von holly hocker aus seinem Gedichtband

Zuerst einmal fragen wir uns: Inwiefern wurden Homosexuelle in der Gesellschaft akzeptiert? Bis 1968 gab es in dem Gesetz der DDR den Paragraphen 175, nach dem tausende homosexuelle Männer verurteilt und ins Gefängnis oder ins Zuchthaus gesperrt wurden. Obwohl 1968 der Schwulenparagraph 175 gestrichen wurde, bekamen Homosexuelle offiziell weder Akzeptanz noch Gleichberechtigung in der DDR-Gesellschaft. Dies sah in einigen größeren Städten der DDR, wie z.B. in Berlin anders aus. Hier gab es sogar ab den 68iger Jahren Schwulenbewegungen, doch in den dörflicheren Regionen der DDR waren Schwule nach wie vor nicht gern gesehen.

Des Weiteren möchten wir auf das Leben und die Erfahrungen unsere Zeitzeugen eingehen.

Unser Zeuge Holly Hocker wurde in Schwerin geboren und ist in der Deutschen demokratischen Republik, zusammen mit drei weiteren Geschwistern, aufgewachsen. Er hatte durch eine seltene Hormonkrankheit und den Mord an seinem Vater bereits in frühen Jahren kein leichtes Leben.

Holly Hocker besuchte zehn Jahre lang die Schule und machte eine Lehre, wie die meisten Kinder damals. Er entschied sich für eine Ausbildung zum Finanzkaufmann und wurde mit 16 Jahren jüngster Versicherungsinspektor in der DDR.

Der Zeuge berichtet, dass ihm solange er in der DDR gelebt hatte nicht bewusst gewesen war, ob er schwul sei oder nicht. Kontakt zu anderen Männern hatte er jedoch bereits mit 14 oder 15 Jahren. Nach der zehnten Klasse, also ca. mit 16 Jahren, hatte Holly Hocker eine Freundin, die er schwängerte. In der DDR war es üblich abzutreiben und so verlor er das Kind. Insgesamt zeugte er drei Kinder – das zweite während der Lehrzeit, welches ebenfalls abgetrieben wurde und das dritte mit seiner späteren Freundin, die das Kind jedoch verlor. Er war sogar damals verlobt und wollte heiraten.

Mit ungefähr 25 Jahren fiel Holly auf, dass etwas an ihm anders war. Er fing an sich für Männer zu interessieren.

Doch wie konnte er dieser Vorliebe damals nachgehen?

Er berichtet, dass er in der DDR heimlich andere Männer traf und auf private Veranstaltungen für Homosexuelle ging. In der Öffentlichkeit durfte er seine Vorlieben und Gefühle nicht zeigen. Dadurch wäre ein normales Leben, welches er führte, nicht mehr möglich und seine Karriere ebenfalls beendet gewesen. Schwule wurden beschimpft und waren ungern gesehen. Sie wurden ausgeschlossen und viele Leute mieden den Umgang mit ihnen, daher wurde es lieber geheim gehalten.

Holly Hocker outete sich später, als er verhaftet wurde. Holly wurde durch ein Schlüsselerlebnis zum Regimekritiker. Dies führte zu seiner Inhaftierung. Er setzte noch einen drauf, indem er sich outete. Er bekam mehr als 12 Monate Haft von denen er nur neun Monate inhaftiert war. Er wurde von der BRD freigekauft. So kam er in den Westen und machte hier seinen ersten AIDS-Test.

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QR- Code für ein Gedicht von holly hocker aus seinem Gedichtband – „wird negativ so positiv“ und „HIV-Test“

In Hamburg fand er seine große Liebe „O.“, mit dem er zwei Jahre lang eine Beziehung führte. Diese Liebe trieb ihn zum Gedichte schreiben, sodass er sogar ein Buch veröffentlichte. Heute ist „O.“ verheiratet und hat eine Tochter.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Homosexualität in der DDR weder toleriert, noch akzeptiert wurde. Schwule wurden als abstoßend empfunden und sogar in einer Rosa Liste geführt ähnlich wie dem rosa Dreieck aus dem Dritten Reich, welches Außenseiter kennzeichnete wie die Juden mit dem Davidstern. Im Laufe der Geschichte hat sich an der Toleranz in der Gesellschaft jedoch viel geändert. Angefangen von der Abschaffung des Paragraphen 175, zuerst in der DDR und später 1994 in der BRD, bis hin zur Erlaubnis der Ehe zwischen zwei Homosexuellen im Jahre 2001. Die Gesellschaft reagiert Schwulen gegenüber mittlerweile anders. Sie werden zunehmend akzeptiert und toleriert – Homosexualität tendiert zum „Normalen“ zu werden und das ist auch gut so!

Lena

25 Jahre Mauerfall – Ein Rückblick auf die Außenseiter der DDR

Göttingen 2014 – »Anders sein. Außenseiter in der DDR« ist eine Themenreihe, die sich eine kleine Gruppe des Beruflichen Gymnasiums, kurz BGT, zur Aufgabe gemacht hat. Wir wollen hier kleine Artikel zu folgenden Themen veröffentlichen:

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Unser heutiger Artikel berichtet von:

25 Jahre Mauerfall – Ein Rückblick auf die Außenseiter der DDR

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, die Deutschland mehr als 26 Jahre in Ost und West geteilt hatte. Noch heute, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wird dieses historische Ereignis gefeiert.

Die DDR, die Deutsche demokratische Republik, existierte von 1949 bis 1990 als sozialistischer Staat und erstreckte sich über die östliche Seite Deutschlands von Rügen bis zum Vogtland. Die knapp 1400 km lange, innerdeutsche Grenze trennte die Deutsche demokratische Republik von 1961 bis 1989 von der Bundesrepublik Deutschland.

Am 9. November 1989 wurden die Grenzübergänge aufgrund der Freiheit fordernden DDR-Bürger geöffnet. Gründe hierfür waren auch die „Republikflüchtlinge“ großer Bevölkerungsteile und die hohe Verschuldung des Staates, kurzum: „die DDR war Pleite!“. Auslöser hierfür war die Neuauflage des Reisegesetztes, welches besagte, das die DDR-Bürger ständig Ausreisen konnten.

Im Folgenden soll es nicht um 25-Jahre Mauerfall und die DDR im speziellen gehen. Wir wollen über Außenseiter in der DDR berichten zu denen politische Flüchtlinge, Ausreisende, Homosexuelle und Punker gehörten. Die letzte Gruppe die Punker waren verboten, weil sie sich gegen den DDR-Staat und seine Verbote auflehnten. Alle gemein war der Wunsch nach „Freiheit“, für das sie viel Leid erfahren mussten. Wir berichten über diese Menschen, Wie es ihnen erging und wie die DDR-Zeiten für sie waren.

Quelle: Süddeutsche Zeitung 2010

25 Jahre Mauerfall – Quelle: Süddeutsche Zeitung 2010

Lena

Außenseiter in der Geschichte Bundespräsident Joachim Gauck ruft zur historischen Spurensuche zum Thema »Anders sein« auf

Göttingen – »Anders sein. Außenseiter in der Geschichte« ist das Thema der 24. Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. Drei Klassen des beruflichen Gymnasiums der BBS II Göttingen nehmen an diesem Wettbewerb teil, der am 1. September 2014 gestartet ist und bis zum 28. Februar 2015 gehen wird. Ausrichter des Wettbewerbs ist die Körber-Stiftung.

Au§enseiter in der Geschichte / BundesprŠsident Joachim Gauck ruft zur historischen Spurensuche zum Thema ÈAnders seinÇ auf

Anderssein bewegt die Gesellschaft

Was verstehen wir heutzutage unter „Anders sein“? Anderssein lässt sich nicht einfach beschreiben, denn jeder von uns hat eine andere Erklärung für Anders sein. Für manche ist Anders zu sein sogar „normal“.

Jeder von uns ist anders auf diesem Planeten. Es gibt zwar Ähnlichkeiten untereinander, aber wir alle sind geprägt durch eine einzigartige Mischung von Erfahrungen und Eigenschaften, die jeden wiederum einzigartig machen – also anders!

„Ich weiß, dass ich anders bin als andere, weil ich andere Gedanken habe und meine eigene Gefühlswelt besitze. Ich reagiere demnach auf ein und dieselbe Sache anders als andere in meinem Alter. Anders sein ist demnach nichts Schlechtes. Es macht mich individuell.“

Doch was ist nun „Anders sein“? Sind wir anders, wenn wir aus der Reihe tanzen, d.h. nicht über eine „grüne Ampel gehen“ oder nicht die gleiche Meinung vertreten? Wir vertreten jeden Tag andere Meinungen. Dies sehen wir schon beim Fußball. In einer Klasse/Stadt/Region können unterschiedliche Fußballfans vertreten sein und jeder glaubt, dass sein „Club“, der beste und erfolgreichste ist. Was ist daran schlecht? Dies macht doch „Vielfalt“, „Spannung“, „Interesse“ und „Kommunikation“ aus, oder?

Was macht uns nun „anders“? – Sind wir anders, wenn wir uns nichts sagen lassen, uns nicht anpassen – einfach machen, was wir wollen, was uns gefällt? Hm, dann heißt es von außen – wir sind nicht „normal“. Doch was bedeutet jetzt „normal“? und wer entscheidet darüber?

„Normal“ das klingt erst einmal langweilig, gewöhnlich, alltäglich, simpel. Normal ist demnach etwas, woran ich mich gewöhnt habe. Es stellt nichts mehr Neues, Ungewöhnliches dar. „Es ist eben normal!“.

Normal ist von der Gesellschaft gemacht, „normal“ wird vorgelebt und passiert tagtäglich. „Normal“ sind Normen und Regeln, die Vereinheitlichen, „normal“ ist „gleich“? – Nein, gleich ist nicht gleich normal. Es vereinfacht nur Situationen; Dinge, die das Leben vereinfachen. Eine Norm im Bau vereinfacht den Bau eines Hauses, da alle Teile einsetzbar sind, sie sind genormt also gleich. Nur Menschen sind nicht gleich. Menschen entstammen der gleichen Art aber dennoch ist jeder anders – auch wenn er zu mehr als 98,5% aus den gleichen Stoffen besteht und nur ca. 1,5 % sich unterscheiden. Aber die knappen 1,5  % machen ein Individuum, also mich, aus und das finde ich gut.

Anders sein ist also normal und normal ist gleich oder gleich gut? – oder ist normal ein Verhalten und das normale Verhalten ist ein gleiches, dass Individuen in einer Gesellschaft an den Tag legen und als „normal“ bezeichnen. Weiche ich also von dem „normalen Verhalten“ ab, bin ich anders, ein Aussätziger, werde ausgegrenzt, diskriminiert, ein Außenseiter in der Geschichte. Demnach ist alles, was anders ist, nicht „normal“ und gehört nicht dazu, weil wir es uns einfach nicht erklären können. Es ist „krank“!. Kranke sind demnach nicht „normal“ also anders und dieses „anders“ ist schlecht….

Ich drehe mich im Kreis – gibt es einen Ausweg?

Im Projekt „Anders sein. Außenseiter in der Geschichte“ befassen wir uns mit diesen Themen, die am Rande der „Normalität“ stehen, aber „Normen“ sind von der Gesellschaft gemacht und können aufgeweicht und erweitert werden. Vielleicht schaffen wir das ja mit den Themen: Homophobie, Homosexualität, Apartheit, Behinderungen, Subkulturen und Selbstmörder.

Sei gespannt…  

2014 BGT 1B, BGT 3B