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25 Jahre Mauerfall – Ein Rückblick auf die Außenseiter der DDR – REPUBLIKFLUCHT

Göttingen 2014 – »Anders sein. Außenseiter in der DDR« ist eine Themenreihe, die sich eine kleine Gruppe des Beruflichen Gymnasiums, kurz BGT, zur Aufgabe gemacht hat. Wir wollen hier kleine Artikel zu folgenden Themen veröffentlichen:

2Anderssein-Blog

Unser heutiger Artikel berichtet über:

Ikarus – Michael Schlosser

Am 28. November 2014 wurde es den Schülern der BBS II zum zweiten Mal ermöglicht, anhand eines Vortrags, sich Michael Schlossers Geschichte vor Augen zu führen. Zur Vorbereitung auf diesen Vortrag wurde bereits geraume Zeit vor dem Vortrag der vierte Nachbau seines „Flugzeugs“ ausgestellt.

Mediothek-Schlosser

BBS II Göttingen – Mediothek – das ausgestellte Flugzeug und die Biographie von Michael Schlosser

Der Vortrag begann mit einem Film, welcher in 30 Minuten Michael Schlossers Geschichte erzählte. Michael Schlossers Leben beginnt 1944 in Triptis in Thüringen. Er wächst unter normalbürgerlichen DDR Verhältnissen auf. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung zum Kfz-Schlosser und ersten Berufserfahrungen bei der NVA in diesem Bereich, wollte Michael Schlosser sich als KFZ-Mechaniker mit eigener Werkstatt selbstständig machen. Jedoch bekam er nie einen Gewerbeschein, da die Regierung dies nicht für nötig hielt. Sie vermittelten ihm 1976 eine Tätigkeit als Fuhrparkleiter beim DDR-Fernsehen. Dies soll sich im weiteren Verlauf der Geschichte noch als hilfreich für sein Vorhaben erweisen. Hier setzt der Film an.
Als Schlosser während seines Urlaubs in Ungern einen Radioaufruf hört, packt ihn der Ehrgeiz. Er will mit einem selbstgebauten Flugobjekt auf dem Axel-Springer-Gebäude in Westberlin landen, und 1.000.000 DM Preisgeld kassieren. Fasziniert von dieser Idee machte er erste Pläne. Zur Umsetzung dieser Pläne diente ein Schuppen, den er als „Hühnerstall“ bezeichnete. Zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen. Trotz all der Bemühungen wurde Schlosser von einem Arbeitskollegen, der speziell auf ihn angesetzt wurde, kurz bevor er Republikflucht begehen wollte, verraten.
Interessanterweise ist es Michael Schlosser gelungen sein Flugobjekt noch in der DDR zu testen, so dass er wusste, dass sein Eigenbau fliegen und ihn über die Grenze bringen würde. Bei seinem ersten und einzigen Flugversuch kam ihm zugute, dass er Fuhrparkleiter war und so sein Flugzeug zur Teststrecke in der Nähe einer russischen Kaserne bringen konnte. Eine russische Patrouille erwischte ihn beim entladen des Fluggerätes. Schlosser sagte, dass er vom Fernsehen sei und das Fluggerät testen solle, so halfen ihm die Russen beim be- und entladen.
Nachdem Verrat wurde Schlosser zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Vor Ablauf seiner Haftdauer wurde er von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft. Michael Schlosser lebt heute wieder im Raum Dresden. Da sein Originalfluggerät nicht auffindbar ist, baute er bisher vier Nachbildungen.
Dieser bewegende und ehrgeizige Fluchtversuch ist nur einer von vielen.

Lena, Helene und Johannes

Jugendopposition in der DDR

 

„Warum das Eintreten für mehr Demokratie ins Zuchthaus führte“

Die Berufsbildenden Schulen II Göttingen laden zur Auseinandersetzung mit unserer Zeitgeschichte mit der Plakatausstellung „Jugendopposition in der DDR“ in die Mediothek der Schule (Godehardstr. 11, 37081 Göttingen) ein. Plakate zur Geschichte der Jugendopposition in der DDR werden bis Ende November in der Mediothek der Schule ausgestellt. Sie sind dort auch für die Öffentlichkeit während der Schulzeit von Montag bis Freitag in der Zeit 08:00 – 14:00 Uhr zugänglich.

Auf 20 Plakaten, angesiedelt im Zeitraum von den Nachkriegsjahren bis zur Freiheitsrevolution 1989, werden Biografien von Widerständlern erzählt. Die Autoren Stefanie Wahl und Tom Sello stellen diese so prägnant dar, dass Schüler und Besucher sich mit ihnen identifizieren können. Jugendlichen fällt es heute häufig schwer sich vorzustellen, wofür Menschen in der DDR auf die Straße gingen bzw. das Glück, in Freiheit zu leben, wertzuschätzen. Welche Dramatik in den Fällen steckt, bleibt 24 Jahre nach dem Mauerfall ergreifend. Ein Ziel der Ausstellung ist, durch die Dokumentation der Schicksale Schülerinnen und Schüler aufzurütteln, sich mehr für Demokratie und Freiheit einzusetzen. „Die Opposition gegen Diktatur haben viele mit dem Leben oder mit langen Jahren Haft bezahlt“, betonte Dr. Hans-Jürgen Grasemann bei seinem letzten Besuch in den BBS II Göttingen. Aber heute werde wenig Interesse oder Anerkennung dafür gezeigt, da die Demokratie und unser Leben Gewohnheit geworden ist. Herr Dr. Grasemann, Oberstaatsanwalt a.D. und stellvertretender Leiter der Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter, steht am 07.11. sowie Michael Schlosser, der ein selbstgebautes Flugobjekt zur Flucht nutzen wollte und verraten wurde, am 19.11.2013 für Zeitzeugengespräche zur Verfügung. Am 07.11. ergänzt der Film „Tod dem Verräter“ von Heribert Schwan ab 09:45 Uhr das Programm.

Der Eintritt ist frei!

Bei Interesse kontaktieren Sie uns bitte – Anmeldung erwünscht unter: 0551 – 4961-6

Gesamtprogramm der Ausstellung

Ausstellungsdauer vom 04.11. – 30.11.2013 in der Mediothek
Jugendopposition in der DDR

07.11.2013

09:45 bis 10:45 Uhr: Film „Tod dem Verräter“, Heribert Schwan, Dokumentation des Falls des Fußballers Lutz Eigendorf durch Herrn Dr. Grasemann, anschließend Zeitzeugengespräch
11:30 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Herrn Dr. Grasemann – Herr Grasemann berichtet und erzählt über einzelne Persönlichkeiten der Plakatausstellung und was sie auszeichnen. Außerdem steht er für Fragen zum Thema: Stasi, Flucht, Rechtsstaat und Unrechtsstaat zur Verfügung!
Lutz Eigendorf im DDR Trikot vor seiner Flucht in den Westen. - Sein Alfa Romeo nach dem mysteriösen Unfall 1983 und Dr. H.-J. Grasemann der über diesen Fall berichtet
Lutz Eigendorf im DDR Trikot vor seiner Flucht in den Westen. – Sein Alfa Romeo nach dem mysteriösen Unfall 1983 und Dr. H.-J. Grasemann der über diesen Fall berichtet

19.11.2013

Erster Block: 09:45 Uhr: Film „Operative Personenkontrolle – Ikarus – mit dem Flieger in den Westen“, MDR-Reportage

10:15 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Michael Schlosser, Konstrukteur des Leichtflugzeuges, verhaftet wegen versuchter Republikflucht, von der BRD frei gekauft
Zweiter Block (Wiederholung des Ersten Blocks)
11:30 Uhr: Film „Operative Personenkontrolle – Ikarus – mit dem Flieger in den Westen“, MDR-Reportage
12:00 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Michael Schlosser, Konstrukteur des Leichtflugzeuges, verhaftet wegen versuchter Republikflucht, von der BRD frei gekauft
Michael Schlossererzählt seine Geschichte bei einer Fortbildung in der Politische Bildungsstätte Helmstedt e.V., Michael Schlosser steht vor seinem Nachbau mit dem er 1983 fliehen wollte
Michael Schlossererzählt seine Geschichte bei einer Fortbildung in der Politische Bildungsstätte Helmstedt e.V., Michael Schlosser steht vor seinem Nachbau mit dem er 1983 fliehen wollte